Wormbach und das Geheimnis der Tierkreiszeichen

Wormbach und die Totenwege

Überliefert und in der allgemeinen Literatur beschrieben ist, dass in alten Zeiten die Verstorbenen oft in tagelangen Märschen nach Wormbach verbracht wurden. Von Soest aus und aus der ganzen Region war es ihnen ein Bedürfnis, in gesegnetem Boden ihre letzte Ruhe zu finden. Totenhol bei Grevenbrück soll sich von Toten- Hol(=holen) ableiten. Betrachten wir dieses Thema einmal recht nüchtern und praxisorientiert, so fallen dort mancherlei bisher ungeklärte Umstände auf.

Der Weg

Man wird von Soest aus wenigstens zwei eher drei oder mehr Tage unterwegs gewesen sein, um die Verstorbenen nach Wormbach zu bringen. In heißen Sommern oder auch in verschneiten Wintern wird dies gewiss ein sehr anstrengender Weg gewesen sein. Auch kommt hinzu, dass man sich ungern von den Toten trennt und sie 60 Kilometer weit entfernt begräbt. Ein späterer Besuch der Grabstätte wird ebenso ein recht aufwendiges Unterfangen gewesen sein. Etwas ganz besonderes müsste also die Menschen der damaligen Zeit bewogen haben, die Verstorbenen dorthin zu verbringen.

Die Kapazität

Wenn aus weitem Umkreis des damals noch recht dünn besiedelten Landes die Toten nach Wormbach verbracht wurden, so wird der Friedhof schnell belegt gewesen sein. Selbst wenn wir eine durchschnittliche Liegedauer von nur zwanzig Jahren annehmen, so wäre der Friedhof Wormbach bereits nach wenigen Jahren an seine Kapazitätsgrenzen gelangt sein. Heute hat der Friedhof eine Kapazität von recht wenigen Liegeplätzen, welche durchschnittlich 30 Jahre belegt werden. Weiterhin wird es organisatorisch ein Problem gewesen sein. Man stelle sich vor, dass plötzlich fünf Tote zu beerdigen wären. Ohne Herberge und eine wirkliche Organisation ginge das nicht.&nbsp Allein die Tatsache, dass es Überlieferungen dazu gibt zeigt, dass gewiss über viele Jahre hinweg die Toten nach Wormbach verbracht wurden. Natürlich wird sich dies nicht jeder Verstorbene hat leisten können. Wohl war es den besser begüterten vorbehalten, sich in Wormbach beerdigen zu lassen. Dass sich Soester in Wormbach haben begraben lassen klingt recht unwahrscheinlich, zumal Soest wesentlich älter ist als Wormbach und es dort schon lange vor Wormbach Kirchen gab.

  • Ab 780 n. Ch. sind Kirchbauten in Soest nachgewiesen. #1
  • Auch an anderen Orten und Regionen lassen sich Totenwege nachweisen.#2

Überall zeigt sich das gleiche Bild ab. Man verbrachte die Toten zur nächstgelegenen Kirche, damit sie in geweihter Erde bestattet werden konnten. Dass sich diese Wege kreuzen und über die normalen Handelsstraßen führten ist nur logisch. In der ersten Zeit, da es nur verstreute Urpfarreien gab, waren die Wege länger. Doch spätestens mit dem Kirchenbauboom des 13ten Jahrhunderts dürfte es mit den langen Totenwegen vorbei gewesen sein. Man bestattete die Toten üblicherweise direkt an der nahegelegenen Kirche. Der Gedanke, dass von Soest aus die Toten bis nach Wormbach verbracht wurden ist eher in den Köpfen gewachsen als das es praktikabel oder sinnvoll wäre. Die Wege verbinden zweifelsohne beide Orte. Doch verbrachte man sicher die im Raum Soest Verstorbenen dort hin und die zum Kirchspiel Wormbach Gehörenden eben nach Wormbach.

Diese Thematik näher auf zu arbeiten wird sicher viel Licht in die wenigstens zeitweilig große Bedeutung Wormbachs bringen. Recherchen in den Archiven in Soest könnten zeigen, ob und ob überhaupt etwas an dieser doch allgemein verbreiteten Überlieferung ist.

Derzeit spricht eigentlich mehr dagegen als für einen solchen langen Transport der Toten von Soest nach Wormbach.

Quellverweise

#1 Wikipedia „Soest“

#2 In tschechischen Siedlungsgebieten werden sie überwiegend als Umrlčí cesta, Umrlčina oder Umrlčice bezeichnet. (L.&nbsp Olivová: Názvy cest, po&nbsp nichž se ubíraly pohřební průvody. In: Zpravodaj místopisné komise ČSAV, 20.&nbsp Jg., Heft&nbsp 5, S.&nbsp 554-557. Praha 1979.)

Totenwege. In: Beiträge zur Heimatskunde, S.126. Warnsdorf 1935.

 

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