Wormbach und das Geheimnis der Tierkreiszeichen

Kapitel 6.4.a

1. Die dem Kalender innewohnende Mathematik

Bei der Berechnung des Osterfestes müssen die gesetzten Ostergrenzen eingehalten werden. Die Herausforderung besteht darin, im Vorfeld des Osterfestes möglichst zum Jahresbeginn am 1. Januar das ""Mondalter"" genau zu berechnen. Mathematisch sind es im Normaljahr 79 und im Schaltjahr 80 Tage vom 01. Januar bis zum 21. März 0:00 Uhr der Tag- und Nachtgleiche. In diesem Zeitraum von 80 Tagen wird der Mond die Erde (80 Tage / 29,53 Tage (29 Tage, 12 Stunden und 43 Minuten)) = 2,7 mal umrunden. Je nachdem in welcher Mondphase (Mondalter) er sich zu Jahresbeginn befindet, können es drei oder auch vier Vollmonde bis ersten Frühlingsvollmond nach dem 21. März sein.

Ein weiteres Problem ist, dass wir uns nicht der normalen Mathematik bedienen können, da wir mit Variablen (Symbolen) arbeiten.
Wir suchen also eine Möglichkeit, wie dies anhand von Variablen angezeigt werden kann. Dazu habe ich ein Astronomieprogramm als Vergleich genutzt.

Die Schlüssel 1 und 2 im Buch deuten bereits auf dieses Problem hin. Man suchte also eine Möglichkeit anhand, von Variablen wichtige Grenzen am Anfang des Jahres bereits fest zu legen.

  • Einen abnehmenden Mond, wenn Sonne und Mond im Steinbock stehen,
  • einen Vollmond nach dem 18. Januar wenn die Sonne im Wassermann und der Vollmond im Löwen steht.

Es gibt also einen Neumondtag, welcher sehr wichtig ist. Dies ist mathematisch der 6. Januar.

75 Tage (21. März – 6. Januar) = 1/5 des Jahreslaufes (365 Tage / 5 = 75 Tage)

(Beinahe wäre uns die Fünfteilung des Jahres entgangen. Was die Venus, der Mond, die Marienfeiertage und das Pentagramm gemeinsam haben, eröffne ich Ihnen in der Veröffentlichung „De Wille Räuse“ Wandern mit dem Mond.)

Nimmt man einen Neumond vor oder auf diesem Stichtag, so liegt der 3. Vollmond vor oder auf der Datumsgrenze des 21. März. Will man dies aber bereits am 1. Januar zum Jahresbeginn berechnen, muss man den Mondstand fünf Tage zuvor betrachten. Ist es ein Schaltjahr, ist der Mondlauf von sechs Tagen zu kompensieren. Der Mond wandert jeden Tag um etwa 13° zur Sonne. Will man nun fünf bzw. sechs Tage vor der Neumondgrenze messen, so muss der abnehmende Mond fünf bzw. sechs mal 13° rechts vor der Sonne stehen. Liegt er zwischen 0° und 6 x 13° = 78° , so ist vor bzw. auf dem 6. Januar Neumond. Dann müsste man also einen Mondlauf weiter warten da der 3. Vollmond vor oder auf dem 21. März liegen würde. Befindet sich der Mond am 1. Januar nicht innerhalb dieser Grenze, so wird der 3. Vollmond in die Zeit nach dem 21. März fallen.
Mondphasen
Hier liegt der Neumond nach dem 6. Januar. Ostersonntag wäre hier der Sonntag nach dem 3. Vollmond im März.


Mondphasen1
Hier liegt der Neumond knapp vor dem 6. Januar. Ostersonntag wäre hier der Sonntag nach dem 4. folgenden Vollmond.

Nun der praktische Teil der Mondalterbestimmung:
Um nun neben dem Schaltjahrproblem von einem zusätzlichen Tag den Lauf des Mondes von Mitternacht an bis zum Sonnenaufgang Maß man das Mondalter bei Sonnenaufgang am 1. Januar.

 

Um nun noch den Winkel zwischen Sonnenaufgang und Erscheinen der Sonne am Horizont zu eliminieren konnte man zusätzlich noch den Standort des Mondes vor einem Tierkreiszeichen als Grenze nehmen. Dies ist das Tierkreiszeichen der Waage. Befindet sich also der Mond zwischen dem Tierkreiszeichen der Waage und der Sonne, welche im Tierkreiszeichen des Steinbock steht, so ist der Mond im relevanten Zeitraum und es sind 4,5 anstatt 3,5 Mondläufe bis zum ersten Frühlingsvollmond nach der Frühlings-Tag- und Nachtgleiche. So gelingt es mit Variablen jenseits der Mathematik die Anzahl der Vollmonde zum Osterfest zu bestimmen. Am Sonntag in der Nähe des nun folgenden 1. Vollmondes beginnt die Vorfastenzeit.
Genau das wird uns in der Gebrauchssymbolik des Speerträgers angezeigt!

Mond

Hier ist der Sternenhimmel am 1.1.1231 um 9 Uhr morgens abgebildet. Der Mond ist nahe der Venus. Die Sonne befindet sich im Tierkreiszeichen des Steinbock. In der Bildmitte ist der Skorpion zu erkennen. Etwas nach Osten versetzt das Tierkreiszeichen der Waage.

Betrachten wir nun die Aussage des Speerträgers mit dieser Konstellation näher und versetzen uns selbst in die Lage.
Richtungen

Im Skorpion stehend streckt der Speerträger seine linke Hand gen Süd- Süd-Ost zur Waage. Mit der rechten Hand zeigt er zur Sonne. Sieht er nun den Mond zwischen rechtem und linkem Arm, muss man noch einen Mondlauf weiter warten (3 Vollmonde bis zum Frühlingsvollmond nach dem 21. März). Ist der Mond nicht zwischen Sonne und Waage, so sind es zwei Vollmonde.

Hier weist uns der Speerträger die Grenzen bereits am 1. Januar auf.

Vergleichen wir in der astronomischen&nbsp Tabelle die Mondstände von 1234 und 1239 miteinander, so erkennen wir die Eckpunkte besser.

Am 1. Januar 1234 ist Neumond. Der Vollmond nahe dem 21. März ist am 17. März. Man muss also 4 Mondläufe warten zum Vollmond nach dem 21. März.
Am 7. Januar 1239 ist Neumond. Der Vollmond ist am 21. März. Hier hat der Mond die Neumondgrenze des 6. Januar überschritten. Es sind 3 Mondläufe zum Frühlingsvollmond.
Dieser Unterschied von sechs Tagen im Vorfeld macht es aus, dass man recht gut astronomisch abschätzen kann, ob der erste Frühlingsvollmond vor oder nach der Grenze des 21. März stehen wird. In 7,5 Tagen bewegt sich der Mond um etwa ein Viertel des Himmels. Dieser Bereich wird vom Speerträger symbolisiert.
Letztlich wurde unter Papst Gregor I der neue gregorianische Kalender eingeführt. Er ist im Grunde eine verbesserte Variante des alten julianischen Kalenders. Dennoch nutzen andere christliche Kulturen heute noch den alten julianischen Kalender.

Die Schlüssel 3 und 4
Bei genauer Betrachtung der Schlüssel 3 und 4 fällt auf, dass ich hier auf die zusätzlichen Hinweise der Betrachtungszeit verzichtet habe. Man könnte für den Schlüssel 3 auch schreiben: ""Befindest du dich im Zeichen des Stier, so achte auf den Löwen."" Für den Schlüssel 4 könnte es heißen: ""Befindest du dich im Skorpion, so achte auf die Waage"". Das mit dem im Skorpion stehen habe ich bereits erklärt. Betrachten wir vom Wassermann aus die Kirchendecke, so fällt auf, dass man Sonne, den Mönch und den Speerträger richtig herum stehend sehen kann. Hier ist also der Zeitpunkt, um die beiden Schlüssel (3 und 4) gleichsam zu betrachten.

Betrachten wir nun noch jene Symbole in den Seitenschiffen, auf welche die Begleitbänder zulaufen, näher, erkennen wir eine unterschiedliche Anzahl von Kreisen an deren Spitze.

Wie am Anfang, so am Ende
Die Gebrauchssymbolik des Speerträgers weist uns nicht nur auf den Anfang, sondern ebenso exakt auf das Ende der Osterzeit hin. Der erste Frühlingsvollmond steht immer zwischen Jungfrau und Waage.

Es soll nun genügen, den forschen Geist allzusehr mit Mondzahlenwerken zu überlasten.

Fakt ist, dass wir von der Symbolik aus ein auch mathematisch stimmendes Regularium vor uns haben, welches in der Lage ist, weit mehr als nur eine Symbolik zu sein. Es wird sich keiner am 1. Januar oder zu anderen Stichtagen in die Kirche begeben haben, um nachzurechnen, ob das kommende Osterdatum stimmt oder auch wann es ist. Auch wir sollten dies vielleicht unterlassen und einfach nur die Kunst hinter dem Gedanken genießen.

2. Die Tabellen

Hier die Tabellen auf einen Blick.

Als Grundlage für die Berechnungen habe ich mit dem Astronomieprogramm ""Easy-Sky"" in der Demo-Version 4.0 gearbeitet. Die Angaben bezüglich des Datums ab 1230 habe ich übernommen. Die ermittelten Werte habe ich in der Astrotabelle eingetragen.

In einer weiteren habe ich nach dem julianischen Kalender die Ostersonntage berechnet und mit den Angaben des Astronomieprogrammes verglichen. (julianische Mondtabelle)

Es kam zu Abweichungen von bis zu 2 Tagen bei der Angabe des Mondstandes.
In Grenzfällen kann dies zu einem bis zu einem Monat abweichenden Osterdatum führen.
Dieses Problem gab es früher auch schon. Die Tabellen wichen von den tatsächlichen Mondständen ab. Daher habe ich eine modifizierte Tabelle nach den Tabellenangaben aus den julianischen Tafeln erstellt und eine rein nach den Angaben des Astronomieprogrammes.
Bei beiden greift letztlich die Logik der Symbolik.

3. Berechnungen nach dem julianischen Kalender
(Die im folgenden benötigten Tabellen sind auch als Download im Kapitelhauptmenü bereitgestellt)

3.1 Die Festlegung des Osterfestes

Im Jahre 325 n.Chr. wurde auf dem Konzil von Nicäa festgesetzt, dass Ostern auf den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert wird. Danach wurde der Frühlingsbeginn auf den 21. März 0 Uhr festgesetzt und von einem gleichmäßig auf einer Kreisbahn umlaufenden Mond ausgegangen. Der frühest mögliche Ostersonntagstermin wurde auf den 22. März und der spätest mögliche auf den 25. April festgelegt. Die umfangreiche Geschichte, wie sich die Kalender und die Festlegung der Osterzeit über die Jahrhunderte entwickelt haben, entnehmen Sie bitte anderen Netzseiten oder entsprechenden Veröffentlichungen.

3.2 Berechnung des Osterdatums nach den julianischen Tabellen bis 1582

Zunächst musste man die „Goldene Zahl“ für das laufende Kalenderjahr ermitteln.
Dazu nutzte man die Tabelle „Goldene Zahl“.
Da alle 19 Jahre der Vollmond und der Neumond auf das gleiche Kalenderdatum fällt, gibt es auch 19 goldene Zahlen. Dies nennt man den kleinen Osterkreislauf.
Mit der goldenen Zahl muss man nun den Wochentag des Sonntages ermitteln.
Dazu nutzte man die Tabelle „Sonntagsbuchstaben“.
Alle 28 Jahre fällt der Wochentag auf das gleiche Kalenderdatum.
Der große Osterkreislauf dauert somit 28 x 19 Jahre. Alle 532 Jahre fällt also ein Vollmond auf das gleiche Kalenderdatum und den gleichen Wochentag.
Mit dem Sonntagsbuchstaben und der goldenen Zahl kann man nun in der Tabelle „Osterdatum“ das Datum des Ostersonntages ablesen. Da alle anderen am Osterfest hängenden Feiertage&nbsp einen festgelegten Abstand in Tagen zum Ostersonntag haben. Nun kann man mit einem Kalender auch das Datum der anderen Feiertage finden.

  • Septuagesimae, (-63 d) 9. Sonntag vor Ostern. Beginn der Vorfastenzeit
  • Esto mihi (-49 d) als letzter Sonntag der Vorfastenzeit
  • Rosenmontag (-48 d) Kein kirchlicher Feiertag.
  • Aschermittwoch (-46 d) Ende der Vorfastenzeit, Beginn der 40-tägigen Fastenzeit (Quadragesima)
  • Ostersonntag (0 d)
  • Ostermontag (+1 d)
  • Himmelfahrt (+39 d)
  • Pfingsten (+49 d)
  • Trinitatis (+56 d) der 8. Sonntag nach Ostern.
  • Fronleichnam (+60 d)

(d = Tag -: vor Ostern +: nach Ostern). Die Zeit zwischen Ostern und Pfingsten ist die 50-tägige Osterzeit (Quinquagesima).

 

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